Hallo,

Doku auf RTL2 – ‘Raus mit der Sprache – Nie Wieder Stottern.’ 

Ich kenne das McGuire-Programm sehr gut, weil ich selbst Mitglied bin. An meinem ersten Kurs habe ich im Juli 2015 teilgenommen und seitdem gehe ich immer wieder zu Kursen, um an meiner Technik zu feilen und neue Leute kennenzulernen. Ich nutze auch immer noch das McGuire-Support-Netzwerk und bin glücklich, dass ich mich damals getraut habe, dort mitzumachen.

Ich habe früher sehr starke Blockaden gehabt und habe alles vermieden, was mit Sprechen zu tun hatte. Mein Stottern hat mein Leben bestimmt. Heute ist das anders – ich bin nicht geheilt, aber ich habe mein Stottern unter Kontrolle. Ich kann in allen Situationen sprechen, in denen ich sprechen möchte. Ich fühle mich frei – oder befreit – und ich bin seitdem nicht mehr alleine, denn die McGuire-Community ist für mich ein unglaublicher Schatz. Ich habe einen neuen Job, Freunde gefunden, habe Interviews gegeben (siehe Beitrag hier), halte Vorträge, habe meine größte Angst, nämlich das Englisch-sprechen überwunden und habe drei Kinder (Drillinge!)… und ich freue mich schon darauf, Ihnen bald vorzulesen und alle Fragen zu beantworten, die sie sich ausdenken werden.

In Zusammenhang mit der Doku auf RTL2 möchte ich gerne ein paar Sachen hervorheben

1. Das McGuire-Programm verspricht keine Heilung vom Stottern und verspricht auch nicht, dass man nie wieder stottert!
Zentraler Aspekt des McGuire-Programms ist Selbstakzeptanz und es wird ganz klar von Anfang an kommuniziert, dass das McGuire-Programm Stottern nicht heilen kann. Man lernt aber, das Stottern zu kontrollieren und sich als jemanden zu akzeptieren, der stottert und daran arbeitet, die Kontrolle darüber zu erlangen. Man wird auch von Anfang an darauf vorbereitet, dass das Stottern irgendwann versuchen wird, “zurückszuschlagen” und man bekommt geeignetes Rüstzeug an die Hand, um in solchen Situationen handlungsfähig zu sein (physische und mentale Strategien und Support….)

Ich habe viel Erfahrung mit anderen Therapien gesammelt und die Betreuung im McGuire-Programm finde ich sehr individuell und auf mich abgestimmt. Erstmal ist das McGuire-Programm ein Paket, das von Leuten, die Stottern für Leute, die Stottern angeboten wird: physische und mentale Aspekte gegen das Stottern, unbegrenzter nachfolgender Support nach dem ersten Kurs und weitere Kurse, um sich immer weiter zu verbessern. Aber innerhalb des Pakets ist so viel Raum, um auf die individuellen Bedürfnisse und auch Herausforderungen einzugehen. Das Stottern ist so individuell wie wir Menschen; unsere Erfahrungen, die wir gemacht haben sind einzigartig in ihrer Summe. Und doch verbindet uns in unserer Summe doch so viel. Wer weiß das besser, als Menschen, die auch stottern? Die Technik und das Paket gilt für alle, die Individualität wird im intensiven 1:1 Coaching innerhalb der Kurse und nach dem ersten Kurs/zwischen den Kursen durch das Coaching-Netzwerks berücksichtigt.

2. Es ist kein 4-Tage-Wunderheilungskurs
Der 4-tägige Kurs ist lediglich der Anfang. Wir alle wissen, dass man Stottern nicht in 4 Tagen loswerden kann. Und das wissen die Leute im McGuire-Programm auch – sie sind ja selbst Stotterer. Der erste Kurs kann wie ein Einstieg gesehen werden, in dem man all das lernt, was man in der ersten Zeit im Alltag braucht, aber nach dem Kurs fängt die Arbeit aber erst an 🙂 Man bekommt aber einen persönlichen Coach zur Seite gestellt, der einem hilft, die ganz persönlichen Herausforderungen des Alltags zu meistern und nicht aufzugeben, wenn es mal schwierig wird. Denn in solchen Situationen lernen wir das Meiste!

In den ersten sechs Wochen nach dem ersten Kurs ist die Betreuung durch den eigenen Coach sehr intensiv (das ist ein Angebot, keine Pflicht!). Wir alle wissen, wie schwer es sein kann, neu gelerntes im eigenen Alltag zu integrieren. Ich habe die mitunter täglichen Telefonate mit meinem Coach als sehr wertvoll empfunden. Ich habe nicht für immer täglich mit meinem Coach oder anderen Coaches telefoniert oder über Skype gesprochen, sondern nach Bedarf, so oft ich wollte bzw. möchte. Ich weiß aber, dass da immer jemand ist, der mich unterstützt, wenn ich es möchte – und das ganz ohne schlechtes Gewissen, dass ich jemanden stören würde oder ähnliches. Ich weiß nämlich, dass wir alle zusammen an unserem Sprechen arbeiten und ich durch meinen Anruf auch dem anderen helfe.

Außerdem steht einem das McGuire-Supportnetzwerk zur Verfügung und man kann so viele Folgekurse besuchen wie man möchte. Ich nehme immer wieder an solchen Kursen teil – nicht, weil man Sprechen in der Zwischenzeit gelitten hat, sondern weil ich das Sprechen als Sport verstehe und ich möchte immer besser werden und an meiner Technik feilen. Ich lerne immer wieder etwas neues, wachse und lerne neue Leute kennen.

3. Es wird keine Rippen-Press-Atmung gelehrt und der Gürtel dient nicht dazu, die Rippen zusammenzupressen
Man lernt die sogenannte Kostalatmung und nutzt dafür die Interkostalmuskeln der Rippen. Diese Atmung nutzen übrigens auch Tagesschausprecher und Opernsänger. Ziel ist, dass das Zwerchfell nicht einfriert beim Versuch zu sprechen und die Atmung fühlt sich ganz angenehm an. Der Gürtel dient lediglich dazu, für sich selbst die Kontrolle zu haben, dass man die richtige Atmung nutzt. Es ist nämlich nicht die Atmung, die man automatisch zum Sprechen/Atmen nutzen würde! Der Gürtel sitzt nicht stramm, sondern gerade so fest, dass er nicht verrutscht und nicht beim Atmen einengt. Rippen zusammenpressen kling ja schrecklich….

Falls ihr weitere Fragen habt, meldet euch gerne – ich versuche sie so gut ich kann zu beantworten.

Liebe Grüße,
Beate